Die Floßfahrt

Ängstlich und bibbernd standen die Kinder in der Mitte um den Mast zusammen, als sie bemerkten, dass sie sich immer weiter dem Felsenring, der die Insel umgab, näherten. So nahe waren sie dem Riff schon, dass der Wassernebel, den die hohen Wellen der Brandung des Meeres außerhalb des Ringes erzeugte, das Floß bereits erreichte. Jetzt wurde es neblig und sie konnten dadurch die Insel schon kaum noch sehen. Das Rauschen der Wellen wurde immer lauter. Da fingen die ersten Mädchen an zu weinen, denn alle kannten die Geschichten von den Ungeheuern, die hier am Riff leben sollten. Plötzlich gab es einen Hieb, den selbst die Kinder auf den Stämmen spürten und gleichzeitig flog der Hai neben dem Boot ganz aus dem Wasser und ein kleines Stück durch die Luft. Dahinter war ein langer Fangarm mit großen Saugnäpfen zu sehen. Wie versteinert hielten sich die Kinder in der Mitte an den Händen fest, als sich drei weitere riesige Fangarme aus dem Wasser erhoben und dazwischen der Kopf des Kraken aus dem Wasser auftauchte und sie ansah. Die riesigen Fangarme, viel dicker als Baumstämme von ganz alten großen Bäumen, umfassten das Floß und zogen es mit sich fort in Richtung Felsen-Riff. Direkt vor ihnen erhob sich ein sehr großer Felsenberg im Riff, der hoch über das Meer ragte. Jetzt sahen die Kinder eine Öffnung in dem Felsen. Genau da hinein zieht sie gerade der Krake, als sie einen noch kleinen Papagei bemerken, der sich dem Kopf des Kraken im Nebel nähert. Ganz leise und mit noch gar nicht tiefer Stimme hören die Kinder auf dem Floß: „Uhhu Ahha – lecker Fressen für die Nacht“. Wie ein tiefes Donnergrollen erschallt es da: „Wie Recht du doch hast.“ „Irgendwie muss der kleine Papagei noch etwas falsch verstanden haben und noch viel üben“, schoss es Artur unwillkürlich durch den Kopf. Er musste sogar ein wenig über die Naivität des Papageis lächeln. Währenddessen schob der Krake das Floß unverändert weiter. Wahrscheinlich wollte er in Ruhe und ungestört fressen und nicht durch ein anderes Ungeheuer gestört werden. Teilen wollte er seine Beute offensichtlich nicht.
Doch gerade als der Krake das Floß in die Höhle geschoben hat, sehen die Kinder, wie sich drei riesige Dreiecksflossen dem Kraken nähern. Dieser bemerkt es auch, lässt das Floß los und die Kinder sehen den Beginn eines schrecklichen Kampfes dieser Bestien des Meeres. Inzwischen haben sich Arturs Augen an das Dunkel der Höhle gewöhnt und als er zur Seite sieht, erkennt er auf dem Land einen Pfad, der weiter nach hinten in die Höhle führt. Ganz leise macht er die anderen Piratenkinder darauf aufmerksam. Artur bindet sich das abgebissene Ende des Lianenseils um seinen Bauch, bevor er ganz langsam ins Wasser steigt und so leise wie möglich zum Ufer schwimmt. Dort befestigt er das Seil an einem großen Felsen. Die anderen Kinder beginnen, das Floß langsam ans Ufer zu ziehen. Als gerade das letzte Kind an Land gestiegen ist, sehen sie den Kopf des Kraken auftauchen. Sie rennen los. Der Krake nähert sich immer schneller. Schon erheben sich seine Fangarme aus dem Wasser und greifen nach ihnen. Ganz knapp hinter dem letzten Kind klatscht ein Fangarm auf den Felsboden. Sie sind erst einmal gerettet. Denn hierher kann ihnen der Krake nicht folgen.
Doch was jetzt? Das steigende Wasser der Flut beginnt jetzt schon, die Öffnung zur Höhle zu schließen. Außerdem wartet der Krake nur, dass sie wieder in die Nähe der Öffnung kommen. Keiner der Eltern hat eine Ahnung von dem Floßbau und geschweige denn, wo die Kinder jetzt sind. Sie sind hier gefangen ohne Wasser und Essen. Zu allem Übel wird es in ein paar Stunden auch noch Nacht.

In der nächsten Geschichte erfahrt ihr, wie es den Kindern in der Höhle ergeht und ob sie den Seeungeheuern entkommen können.