Die gelbe Lallschnecke

„Eine Geheimsprache, die nur wir verstehen.“, antwortete Undine. „Aber wer soll die ganzen Sprachen lernen? Das geht nicht. Das ist zu schwer.“, dachte Undine laut nach. „Weißt du, wie sich die kleine gelbe Schleimschnecke schützt, die aussieht wie ein kleiner Blutegel?“, fragt Oraculum die Meeresfee, die mit dem Kopf schüttelt. „Sie gibt in ihrer Schleimspur einen Schleim ab, welcher die betroffenen Lebewesen nur noch lallen lässt. Egal ob Meerespflanzen, Korallen, Fische oder auch Meerjungfrauen und Wassermänner. Sie klingen dann alle, wie total verrückt geworden. Niemand kann sie mehr verstehen, wenn sie die gelbe Schleimschnecke verraten wollen. Aber die gelbe Schleimschnecke versteht alles, was die Lebewesen lallen, aber nur von denen, die mit ihrem eigenen Schleim berührt wurden. Die von anderen Schleimschnecken versteht sie auch nicht. Manchmal, wenn wir weisen Gelehrten zusammensitzen, keiner uns versteht und alle denken, wir hätten zu viel Algenrum getrunken, unterhalten wir uns mit einer gelben Schleimschnecke im Ohr. Ich lecke zuvor am Schleim der Schnecke, die mein Freund im Ohr hat und er am Schleim meiner Schnecke und schon können wir uns ungestört unterhalten, während alle anderen denken, wir reden irre.“, erklärte Oraculum der Meeresfee. „Ich gebe dir hier eine Dose mit meinem Zeichen, in der der Schleim meiner Schnecke ist. Bevor du mich das nächste Mal mit dem Meeresunterhalter anrufst, lecke daran. Hier gebe ich dir deine Schnecke und behalte etwas Schleim in dieser Dose mit einer silbernen Schuppe von dir. Daran lecke ich, bevor ich mit dir spreche. Wenn wir unsere Schnecke ins Ohr stecken, können wir uns verstehen. Du kannst den Schleim deiner Schnecke auch deinen Freundinnen geben. So kannst du dich auch zukünftig geheim mit ihnen unterhalten. Aber mach es nur manchmal, sonst fällt es Poseidon und Demona auf, dass wir etwas bemerkt haben.“
Undine dachte nach, was sie im letzten Gespräch über den Meeresunterhalter mit Oraculum besprochen hatte. So ahnte sie schon, dass die Meerhexe nicht in die Falle von Orcaion getappt ist, sondern gewarnt war, während Oraculum zu ihrem Gedanken nickte. „Was wird Demona jetzt tun?“, fragte Undine. „Denke nach, versetz dich in die Lage von Demona. Was würdest du an ihrer Stelle jetzt tun?“, war die  Antwort. „Ich würde überlegen, wie ich die Information nun bekommen könnte, nachdem ich mich nicht foltern kann. Was hast du nur vor, Demona?“,  überlegte Undine, als ein Schreck über ihr Gesicht zog.