Der Piratenkapitän war gerade bei seiner zehnten Kokosnuss angekommen, als ihm ein Einfall kam. Menschen haben Angst, allein in der Nacht oder allein im Urwald. Sie fürchten Geräusche, die sie nicht kennen und die für sie tief und schaurig klingen. Besondere Angst bekommen die Menschen, wenn sie nicht wissen woher die Geräusche kommen und niemanden sehen. Außerdem ist es eine schreckliche Vorstellung für alle Menschen, einfach von irgendwem aufgefressen zu werden. In schauriger tiefer Stimme murmelte er vor sich hin: „Uhhu Ahha – lecker Fressen für die Nacht.“ Sein roter Papagei saß dabei auf seiner Schulter und ließ den Kopf hängen, da er sah, wie traurig und nachdenklich sein geliebter Piratenkapitän war. Über die vielen Jahre hatte der Papagei auch die tiefe Stimme seines Herrn gelernt. Ganz leise, fast gehaucht, weil sich der rote Papagei nicht ganz sicher war, knarrte er seinem Herrn im tiefsten Ton ins Ohr: „Uhhu Ahha – lecker Fressen für die Nacht.“ Der sonst so mutige Piratenkapitän fuhr erschrocken und zitternd zusammen bis er merkte, dass es nur sein eigener Papagei gewesen war. Nachdem der Schreck verflogen war, sagte er, „das ist es“ und nahm seine roten Papagei fest in die Hände und küsste ihn auf den Schnabel. „Iihh“, kreischte da der Papagei, „kannst Du nicht jemand anderen abknutschen.“ „Ich bin doch nicht deine Frau.“ Aber insgeheim war der Papagei ganz stolz, dass er einen Kuss von seinem geliebten Piratenkapitän bekommen hat und sein Gefieder stellte sich stolz und glänzend auf.
In den nächsten Tagen machte sich sein Papagei auf in die Wälder, wo er die anderen Papageien gesehen hatte. Da war so eine wunderschöne Papageienprinzessin. Jedenfalls schien sie dem roten Papagei wie eine richtige Prinzessin. Sie war einer der wunderschönen blauen Papageien mit dem gelben Fleck am Hals. Also jene, die wie die Affen mit ihrem Schnabel durch den Wald klettern, anstelle zu fliegen. Als sie den roten Papagei sah, blieb ihr vor Schreck der Schnabel offen stehen, worauf sie natürlich prompt vom Ast fiel. Unser roter Papagei flog sofort zu ihr auf den Boden und streichelte ihr Gefieder. Als sich die Papageienprinzessin und unser roter Papagei am nächsten Tag wieder trafen und einer der Piraten ahnungslos durch den Wald schlenderte, wollte unser roter Papagei mächtig vor seiner neuen Freundin angeben. Er versteckte sich hinter den Blättern und hauchte dem Piraten mit seiner tiefsten und knarrendsten Stimme ins Ohr: „Uhhu Ahha – lecker Fressen für die Nacht.“
Der Pirat erstarrte augenblicklich vor Schreck. Dann rannte er los, aber nicht weit, nur bis er an den nächsten Baum rannte und umfiel. Er rappelte sich auf, rannte wieder los, blieb an einer Wurzel hängen und landete auf der Nase. Das fand die schöne Papageienprinzessin so witzig, dass sie es allen ihren Papageienfreundinnen im Wald erzählte. Diese erzählten es ihren Freundinnen und Freunden und am Ende wussten es alle Papageien der Insel. Jeder wollte es nachahmen und die Menschen erschrecken. Nie hat man zuvor Papageien so fleißig üben sehen. Tag und Nacht übten sie die tiefe Stimme und vor allem das Verstecken. Zu Anfang war es leicht, die Piraten und ihre Frauen und Kinder zu erschrecken. Aber nach und nach wussten alle Piraten der Insel, welche Spiele die Papageien spielen und nur noch die kleinen Kinder, die das noch nicht kannten erschreckten sich und fürchteten sich vor dem Wald.