Nixen und Wassermänner

Das ist auch der Grund, warum es bis heute viel mehr Nixen als Wassermänner gibt. Durch die Kriege und Kämpfe untereinander wurden sehr viele Wassermänner getötet, während die Nixen oft überlebten und meist nur versklavt wurden.
Aber in Stämmen, in denen die gefangenen Nixen fast gleichberechtigt zu den Nixen des Stammes aufzogen wurden, waren sie doch gar keine Sklaven. Oder? Leider nein. In allen Stämmen bestimmten nur die Wassermänner und die männlichen Kinder. Alle Nixen und weiblichen Kinder hatten nichts zu sagen und mussten gehorchen und tun, was die Wassermänner ihres Stammes oder ihre Brüder wollten. Die Nixen mussten die Höhlen sauber halten, das Essen zubereiten, sich um die Kinder kümmern, besonders um die kleinen Wassermänner. Sie waren dazu da, Babys zu bekommen, möglichst kleine Wassermänner und keine kleinen Nixen. Wenn das Baby doch eine kleine Nixe war, wurde der Wassermann Vater oft böse. Bekam seine Nixenfrau zweimal hintereinander nur ein Nixenbaby und keinen kleinen Wassermann, so konnte der Wassermann seine Nixenfrau verstoßen und keiner wollte sie mehr als Frau haben. Niemals durften die Nixen etwas tun, was ihnen ihr Wassermann nicht vorher erlaubt hatte. Es gab sehr viele Verbote für die Nixen, die für die Wassermänner nicht galten. Ein solches Verbot hieß „Tabu“. Wurde ein Tabu von einer Nixe gebrochen, wurde sie getötet. Keine Nixe durfte ihren Wassermann selbst auswählen, sondern ein Wassermann fragte immer den Vater oder einen der Brüder der Nixe, wieviel er für sie bezahlen solle, damit sie zukünftig ihm gehöre. Es war deshalb für eine Nixe kein großer Unterschied, ob sie im eigenen Stamm lebte oder von einem anderen Stamm geraubt wurde. Sie musste so oder so immer gehorchen.
Für Wassermänner war es natürlich besser, wenn sie einen anderen Stamm überfielen. Dort alle Wassermänner töteten und die Nixen raubten. Dann mussten sie nichts für die Nixen bezahlen. Im Gegenteil, wenn sie schon genug Nixen für sich selbst hatten und keine weiteren wollten, konnten sie die zusätzlich geraubten Nixen verkaufen und damit reicher werden. Viele der Nixen waren trotzdem glücklich in ihrem Stamm und als eine der Nixen ihres Wassermanns zu leben.
Undine überlegte, warum das wohl so war? Und warum dies bis heute im Ozean noch oft der Fall ist? War es wirklich nur die Gewohnheit, weil die Nixen es nicht anders kannten? Oder war es für die Nixen schön und bequem nicht denken zu müssen und alles vorgegeben zu bekommen, was sie tun und was sie lassen sollten? Oder machte es sie glücklich sich besser zu fühlen als eine Nixe eines anderen Wassermannes? Warum fühlten sich viele Nixen schon als etwas Besseres, wenn ein Wassermann für sie mehr bezahlte als für ihre Schwester? Wenn sie dann noch überlegten, dass der Wassermann sie aus allen anderen Nixen ausgewählt hatte, die er kaufen konnte, dann wurde sie noch glücklicher und fühlten sich besonders.
Wenn der eigene Wassermann im Stamm berühmt und anerkannt war, waren auch seine Nixen anerkannter. Erfolgreiche Wassermänner, also diejenigen, die besonders gemein gegen andere Stämme waren, konnten ihren Nixen auch schöneren Schmuck schenken und leckereres Essen besorgen als Wassermänner, die lieber und rücksichtsvoller gegen die Bewohner anderer Stämme waren. Die Nixen liebten es schöner auszusehen als andere Nixen. Sie gaben auch gerne mit besserem Essen und schöneren Behausungen vor den anderen Nixen an. Es machte die Nixen auch glücklich, wenn andere Nixen neidisch auf sie waren. Sie wollten schöner sein und luxuriöser leben als die anderen Nixen. Sie wollten beneidenswert sein. Das war Glück für sie. Da machte es auch nichts aus, dass sie wie alle anderen Nixen ihren Wassermännern dienen und gehorchen mussten.