Projekthistorie und Ideen

Wie ist es zu den PIRINDIA – Geschichten gekommen und wie wurde dieses Projekt daraus?

Alles begann im Jahr 2005. Meine Kinder waren fünf und drei Jahre alt. Ich begann ihnen „Gute Nacht – Geschichten“ zu erzählen, die ich mir live einfallen lies. Es war eine Serie von der „Katze Cora“. Nach einiger Zeit kam es zunehmend vor, dass die Kinder sagten: „Papa, erzähl doch noch einmal“, diese oder jene Geschichte. Das war schon nach 4-5 Wochen schwierig, da ich alle Teile live erzählt hatte. Wenn ich die Wiederholung versuchte, konnten sich die Kinder natürlich viel besser daran erinnern und hatten auch ganz bestimmte Details im Kopf.

Einmalig hatte ich danach auch die Idee, einfach die vorhandenen „Geschichten aus 1001 Nacht“ vorzulesen. Doch gleich zu Anfang merkte ich, dass ich jede zweite Zeile überspringen musste, weil die Geschichten eher für Erwachsene geschrieben sind.

Aber durch beide Erfahrungen entstand die Idee, die Geschichten aufzuschreiben und dazu wieder eine „Serienhandlung“ zu überlegen. Dies vereinfacht die Entwicklung neuer kurzer Teilgeschichten, was für „Gute Nacht – Geschichten“ sinnvoll ist, da Personen und „Rahmenhandlung“ den Kindern bereits bekannt ist. So kann man sich auf das nächste Thema/Abenteuer konzentrieren.

Schön fand ich auch die Vorstellung, dass es 1001 „Gute Nacht“-Kindergeschichten werden könnten. Da ich niemals allein 1001 Geschichte schreiben könnte, war klar, dass dies nur über ein Gemeinschaftsprojekt vieler Eltern erreichbar ist, die sich an so einem Mitmachprojekt beteiligen.

Damit die Geschichten am Ende möglichst „in ein Ganzes“ passen und eine Einheit ergeben, ist ein Rahmen für die Gesamt-Handlung sinnvoll, sowohl für meine eigenen (wenigen) Geschichten, als auch für die „große Idee“. Dieses „Rahmen-Setting“ musste groß genug sein, um 1001 interessante „Gute Nacht“-Geschichten zu ermöglichen. Aus dieser Überlegung ist 2006 die Rahmenhandlung mit den wichtigsten Hauptpersonen, das „PIRINDIA-Setting“ entstanden. Das geschah vor der ersten PIRINDIA-Geschichte.

Für 1001 Geschichte würden ca. 100 Mitautorinnen benötigt, wenn jede ca. 10 Geschichten zur Sammlung beiträgt. Diese noch überschaubare Anzahl ermöglicht es, die Mitautoren über 2-5 Jahre persönlich auszuwählen, damit zumindest ein guter Qualitätsstandard der einzelnen Geschichten gesichert ist.

Auch diese Überlegungen waren bereits 2006 abgeschlossen.

Während ich die ersten Geschichten für meine eigenen Kinder schrieb, entstanden die Überlegungen für ein mögliches „Verwertungskonzept“ der Geschichten. Obwohl ich im Bildungsbereich sehr viele freie Bildungsinhalte (OER = Open Educational Resources) erstelle, schien mir dieses Konzept für die Geschichten NICHT sinnvoll zu sein. Ich wollte nicht, dass viele Eltern (inkl. mir) sich viel Mühe geben, sehr viel Zeit investieren und dann Mediengesellschaften und Verlage die Geschichten „abgreifen“ und damit evtl. viel Geld mit Filmen, Podcasts, Büchern u.a. verdienen, ohne dass die mitmachenden Autorinnen etwas davon haben.
Andererseits sollen alle Eltern weltweit ihren Kindern die Geschichten vorlesen können, ohne dass sie dafür Geld ausgeben müssen. Dazu werden die Texte aller Geschichten frei im Internet veröffentlicht und es sind auch Übersetzungen in mehreren Sprachen angestrebt, wobei zukünftig auch PIRINDIA-Geschichten zuerst in einer anderen Sprache entstehen können, ehe sie ins Deutsche übersetzt werden.

Die Autorenrechte (Copyrights) verbleiben bei den jeweiligen Autorinnen. Das „PIRINDIA-Projekt“ erhält aber die „Veröffentlichungs- und Vermarktungsrechte“, so dass es die Vermarktung gegenüber evtl. interessierten Mediengesellschaften durchführen kann, sowie die sinnvollen Veröffentlichungen für einen Projekterfolg. Darüber erziehlte Erträge sollen,  falls sie entstehen, entweder nach einem möglichst gerechten Aufteilungsschlüssel an die jeweiligen Autorinnen verteilt werden, oder/und es soll mit den Mitteln eine Stiftung gegründet und finanziert werden, die freie Bildung unterstützt. Die konkrete Ausgestaltung soll den jeweiligen Entwicklungen angepasst werden, falls relavante Einnahmen entstehen.

Zwischen 2006-2009 schrieb ich die ersten PIRINDIA-Geschichten für meine Kinder und ein paar Jahre später (2015/16) noch ein paar mehr für meine Neffen. Danach nutzte ich die Geschichten noch für einige Kinder von Bekannten, bei denen sie ganz gut ankamen. Allerdings nahm ich mir nie die Zeit, die eigentliche Projekt-Idee zu verwirklichen und die Geschichten zu veröffentlichen. Mehrmal in den Jahren ging mir folgendes Filmzitat durch den Kopf:

(„Warum will Ihr Vater nicht, dass man seine Gedichte veröffentlicht?„~Vicky
Er mag die Menschen nicht und das ist seine Art, es ihnen heimzuzahlen: wunderschöne Arbeiten zu schaffen und sie ihnen dann zu verweigern.„~Juan Antonio
~Film „Vicky Christina Barcelona“, Regie: Woody Allen, 2008)

Aber das war es sicher nicht. Grund war eher: Ich hatte nie die Zeit bzw. richtiger: Ich habe mir nie die Zeit dazu genommen. So wäre es auch geblieben, wenn nicht zwei negative Ereignisse gleichzeitig zusammengetroffen wären:

  • Kulturhauptstadt Chemnitz 2025 (C2025):  ALLE 42 Vorschläge für Mitmachprojekte („gelebte Nachbarschaft“ + „C the unseen“) zwischen 2018-2024 der Initiative „lebenswertes Chemnitz“ wurden von den jeweils Verantwortlichen in Chemnitz abgelehnt. Auch der (letzte) Versuch mit dem „24 Vorschläge Adventskalender“ (2023) brachte keinen Erfolg.
  • Am 1.8.2024 habe ich erfahren, dass ich seit Jahren hätte jederzeit tot umfallen können. Danach habe ich die große Herz-OP überlebt und erhielt somit ein drittes Leben.

In der Reha fasste ich den Beschluss, das „PIRINDIA-Projekt“ zu starten, zum Einen als Trotzreaktion („Nun erst recht“) und Protest gegen die Ignoranz und Ausgrenzungen zwischen 2018-2024, die im Rahmen der C2025-Organisation für die Kulturhauptstadt Chemnitz 2025 stattgefunden haben. Zum Zweiten, weil die Möglichkeit des „dritten Lebens“ mir vor Augen geführt hat, dass im gegenteiligen Fall sowohl die bereits entstandenen PIRINDIA-Geschichten, als auch die PIRINDIA-Projektidee als Mitmachprojekt (vieler Autorinnen) mit gestorben wären.

Als „Startpunkt“ des PIRINDIA-Projektes entschied ich mich für den „Adventskalender 2024″ der Initiative „lebenswertes Chemnitz„, zum Einen um mich selbst unter Druck zu setzen, die ersten 24 PIRINDIA-Geschichten wirklich zu veröffentlichen. Zum Anderen um eine gute Ausgangsbasis zu haben, um das Projekt im Chemnitzer Kulturhaupstadtjahr (C2025) weiter zu entwickeln.
In 2025 ist deshalb geplant, die Mehrsprachigkeit nach einem sinnvollen Konzept umzusetzen, zumindest mit Englisch als zweiter Sprache, aber vielleicht auch mit dem Traum „Esperanto“. Es sollen in C2025 die ersten weiteren Mitmacher (Autorinnen, Übersetzer, Lektorinnen u.a. Unterstützer) gewonnen werden, ein Illustrationskonzept starten und vor allem sollen auch erste Lesungen der PIRINDIA-Geschichten im „Chemnitzer Wissensgarten“ stattfinden, als kleines aktives Event in C2025.

Sollte sich die PIRINDIA-Idee positiv entwickeln und sogar relevante Einnahmen entstehen, erfolgt die Entwicklung eines fairen Vergütungsmodells für die Mitmachenden und evtl. das Konzept für die „Bildungs-Stiftung“ (siehe Überlegungen zum „Verwertungskonzept“ weiter oben) .

Soweit die Historie und die Ideen zu PIRINDIA. Mal sehen, was daraus wird.

Dirk Liesch